Nach einer Fehlgeburt stehen betroffene Mütter in Österreich rechtlich oft vor dem Nichts: Da der gesetzliche Mutterschutz an Fristen und ein Mindestgewicht des Kindes von 500 Gramm gekoppelt ist, bleibt den Frauen meist nur der reguläre Krankenstand, um das Erlebte zu verarbeiten. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Frauen eine gestaffelte, bezahlte „Trauerzeit“ von bis zu 16 Wochen ermöglichen soll.
Der Vorschlag stößt jedoch sowohl auf breite Zustimmung als auch auf fachliche Kritik und hat eine wichtige Diskussion darüber entfacht, wie Gesellschaft und Politik mit Sternenkindeltern umgehen. Der Entwurf sieht eine freiwillige, gesetzliche Freistellung für Frauen vor, deren Dauer sich danach richtet, wie weit die Schwangerschaft zum Zeitpunkt des Verlusts fortgeschritten war:
- Ab der 16. Schwangerschaftswoche: 4 Wochen Freistellung
- Ab der 20. Schwangerschaftswoche: 8 Wochen Freistellung
- Ab der 23. Schwangerschaftswoche: 16 Wochen Freistellung
Die Kosten für diese Auszeit sollen vollständig aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) finanziert werden. Zudem beinhaltet das Paket eine Ausweitung des Kündigungsschutzes auf vier Monate nach der Fehlgeburt und soll gleichermaßen für Selbstständige gelten. Für Frauen, die ihren Arbeitgeber aus verständlichen Gründen nicht über den Verlust informieren möchten, soll die Option des klassischen Krankenstands wie bisher anonym bestehen bleiben.
Obwohl die Grundidee als positiv bewertet wird, gibt es deutliche Kritik an der Wortwahl und an den zeitlichen Grenzen. Der Verein „Rechte für Sternchenmamas“ mit Obfrau Monika Romaniewicz bemängelt das Wort „Trauerzeit“ scharf. Frauen, die ihr Kind im zweiten Trimenon verlieren, durchleben medizinisch gesehen eine echte, oft tagelange stille Geburt. Der Begriff (Trauerzeit) verniedliche die massiven körperlichen und gesundheitlichen Folgen einer solchen Geburt. Es gehe nicht nur um psychischen Beistand, sondern um die physische Regeneration im Wochenbett.
Auch Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) sieht das Modell kritisch und fordert stattdessen einen echten, gestaffelten Mutterschutz nach deutschem Vorbild, der bereits ab der 13. Woche greifen würde. „Auch ein Schwangerschaftsverlust vor der 16. Woche ist ein schmerzhafter Verlust“, betonte das Familienministerium. Leider hat die Sozialministerin bereits klargestellt, dass es eine Änderung nach dem deutschen Vorbild so nicht geben werde.