Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) möchte Frauen eine gestaffelte, bezahlte „Trauerzeit“ ermöglichen. Für den Vorschlag gibt es viel Zustimmung, aber ebenso viel Kritik.
07 Oktober 2026
Vergissmeinnicht 2021 FR 41
Nach einer Fehlgeburt stehen betroffene Mütter in Österreich rechtlich oft vor dem Nichts: Da der gesetzliche Mutterschutz an Fristen und ein Mindestgewicht des Kindes von 500 Gramm gekoppelt ist, bleibt den Frauen meist nur der reguläre Krankenstand, um das Erlebte zu verarbeiten. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) hat nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Frauen eine gestaffelte, bezahlte „Trauerzeit“ von bis zu 16 Wochen ermöglichen soll.


Der Vorschlag stößt jedoch sowohl auf breite Zustimmung als auch auf fachliche Kritik und hat eine wichtige Diskussion darüber entfacht, wie Gesellschaft und Politik mit Sternenkindeltern umgehen. Der Entwurf sieht eine freiwillige, gesetzliche Freistellung für Frauen vor, deren Dauer sich danach richtet, wie weit die Schwangerschaft zum Zeitpunkt des Verlusts fortgeschritten war:

  • Ab der 16. Schwangerschaftswoche: 4 Wochen Freistellung
  • Ab der 20. Schwangerschaftswoche: 8 Wochen Freistellung
  • Ab der 23. Schwangerschaftswoche: 16 Wochen Freistellung

Die Kosten für diese Auszeit sollen vollständig aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) finanziert werden. Zudem beinhaltet das Paket eine Ausweitung des Kündigungsschutzes auf vier Monate nach der Fehlgeburt und soll gleichermaßen für Selbstständige gelten. Für Frauen, die ihren Arbeitgeber aus verständlichen Gründen nicht über den Verlust informieren möchten, soll die Option des klassischen Krankenstands wie bisher anonym bestehen bleiben.

Obwohl die Grundidee als positiv bewertet wird, gibt es deutliche Kritik an der Wortwahl und an den zeitlichen Grenzen. Der Verein „Rechte für Sternchenmamas“ mit Obfrau Monika Romaniewicz bemängelt das Wort „Trauerzeit“ scharf. Frauen, die ihr Kind im zweiten Trimenon verlieren, durchleben medizinisch gesehen eine echte, oft tagelange stille Geburt. Der Begriff (Trauerzeit) verniedliche die massiven körperlichen und gesundheitlichen Folgen einer solchen Geburt. Es gehe nicht nur um psychischen Beistand, sondern um die physische Regeneration im Wochenbett.

Auch Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) sieht das Modell kritisch und fordert stattdessen einen echten, gestaffelten Mutterschutz nach deutschem Vorbild, der bereits ab der 13. Woche greifen würde. „Auch ein Schwangerschaftsverlust vor der 16. Woche ist ein schmerzhafter Verlust“, betonte das Familienministerium. Leider hat die Sozialministerin bereits klargestellt, dass es eine Änderung nach dem deutschen Vorbild so nicht geben werde.
Frauen, die ihr Kind im zweiten Trimenon verlieren, durchleben medizinisch gesehen eine echte, oft tagelange stille Geburt. Der Begriff (Trauerzeit) verniedliche die massiven körperlichen und gesundheitlichen Folgen einer solchen Geburt. Monika Romaniewicz
Obfrau des Vereins "Rechte für Sternenmamas"
Ein besonders wunder Punkt in der aktuellen Praxis ist die Rolle der Väter und Partner:innen. Nach der jetzigen Gesetzeslage haben Väter nach einer Fehlgeburt keinerlei Anspruch auf eine Freistellung oder Sonderurlaub. Sie müssen im Regelfall sofort wieder funktionieren oder sind auf das Wohlwollen des Arbeitgebers angewiesen.

Im aktuellen Vorschlag von Sozialministerin Schumann ist dieses Thema zumindest als Diskussionspunkt verankert: Sie möchte in den Verhandlungen eine zweiwöchige Freistellung für den Partner oder die Partnerin nach einem Schwangerschaftsverlust verhandeln.
Obwohl dieser Vorstoß ein erster Schritt ist, bleibt er in den sozialen Netzwerken und Betroffenenforen ein emotionales Thema. Viele Väter fühlen sich in ihrer Trauer unsichtbar gemacht, da der Fokus rein auf der gebärenden Person liegt. Der Wunsch nach einer Gleichstellung in der psychologischen Bewältigung dieses Schicksalsschlags ist in der Community der Sternenkind-Eltern ungebrochen groß.
Viele Väter fühlen sich in ihrer Trauer unsichtbar gemacht, da der Fokus rein auf der gebärenden Person liegt.

Fazit für die Vereinsarbeit

Die Debatte zeigt deutlicher denn je, dass der Verlust eines Sternenkindes kein medizinisches Randthema ist, sondern eine tiefgreifende Einschnitt für die gesamte Familie. Für Initiativen wie „VergissMichNicht - Sternenkinder Fotografie“ verdeutlicht dieser politische Diskurs, wie wichtig die gesellschaftliche Anerkennung und die Begleitung von Müttern und Vätern gleichermaßen sind, um den Schmerz sichtbar zu machen und heilen zu lassen.